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Fragen zu IFAP. IPDC, WSIS Action Line C9 (Media) und dem Engagement der Schweiz
1. Welche konkreten Aspekte des Themas Access to Knowledge / Zugang zu Information und Wissen sind für die Schweiz wichtig?
Das Thema Access to Knowledge ist von zentraler Bedeutung in der Informationsgesellschaft. Es ist deshalb sehr wichtig, dass das Thema in der Schweiz aufgegriffen wird.
Uns scheint es dabei zentral das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, wobei wir folgende Themen als wichtig erachten:
- Schweizer Beitrag zu einer offenen Wissensgesellschaft
- Freier Zugang zu öffentlich finanziertem Wissen
- Förderung der Archivierung von Wissen und dessen Bereitstellung
- Öffentlicher und freier Zugang zu Schweizerischen Archiven
- Einfacher Zugang zu öffentlichen Dokumenten
- Förderung von freien informationellen Infrastrukturen. Förderung der Nutzung von Freier Software in Schulen und der öffentlichen Verwaltung
- Behandlung der Problematik des Wegschliessens von Wissen und Kulturgütern unter anderem mittels DRM und Patenten. Garantieren der Schutzschranken des Urheberrechts und die Interoperabilität von DRM geschützten Werken.
- Erleichterung des Zugangs zu geschützten Werken, d.h. Orientierung des Urheber- und Patentrechts an der Nachfrage statt am Angebot.
- Ausbildung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere die neuen interaktiven Medien zu denen alle BürgerInnen Zugang haben müssen.
- Schweizer Beitrag zur kulturellen Entwicklung der dritten Welt.
Zusätzlich erscheint uns die Berücksichtigung von sozio-ökonomischen Oberzielen, wie eine nachhaltige Förderung des Wissenschaftsstandorts Schweiz (Forschung und Lehre) in einer immer stärker vernetzten Welt und eine wirtschaftliche Nutzung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, insbesondere das Garantieren einer sogenannten "Netzneutralität", wichtig.
2. Halten Sie die Prioritäten des IFAP (information literacy, preservation of information, better understanding of the ethical, legal and societal implications of ICTs) für richtig? Wenn nein, welche anderen Themen sollten prioritär behandelt werden?
Zwar stellen diese Themen einen Schritt in die richtige Richtung dar; sie sind aber keinesfalls ausreichend, um tatsächliche Effekte zu erzielen.
Für viele Menschen in Entwicklungsländern ist nicht der Mangel an Medienkompetenz ("information literacy") das Problem, sondern das Fehlen von materieller Infrastruktur: Leitungen, Server, Router, freie Frequenzen für drahtlose Netzwerke. IFAP muss sich der Aufgabe stellen, Wege zu finden, die Bereitstellung von Infrastruktur auf öffentlichem oder privatem Weg zu fördern.
Auch die Verwahrung von Informationen ist bestenfalls eine Priorität zweiten Grades. Ungleich wichtiger ist die Bereitstellung von Informationen. Innovation ist fast immer inkrementell, nicht sprunghaft. Der Zugang zu "Rohmaterial", zu bereits bestehendem Wissen, ist wohl der wichtigste Faktor bei der Förderung von Kreativität und dem damit verbundenen Wirtschaftswachstum.
Die ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen von ICTs sind zweifelsohne weitreichend. Ihre gründliche Untersuchung wird jedoch nur selten zu mehr Innovation und Kreativität führen. Die Implikationen werden zudem bereits durch verschiedene wissenschaftliche Institute untersucht.
Die betroffenen Menschen sind in der Regel zudem sehr wohl in der Lage, Technologie auf ihre eigene Weise zu verwenden und zu einem Teil ihres Lebens zu machen - zu ihren Bedingungen.
Statt Implikationen zu untersuchen, die auch in den entwickelten Ländern nur höchst unzureichend erforscht sind, sollte IFAP seine knappen Mittel auf die eigentliche Herausforderung konzentrieren: Den Menschen beim ersten Schritt auf die Entwicklungsleiter zu helfen, indem IFAP Ansatzpunkte für ihre im Übermaß vorhandene Kreativität schafft.
Ergänzend soll aber hinzugefügt werden, dass wir wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Access to Knowledge sehr begrüssen. Zu untersuchen wären die Gründe für die defensive Haltung und den privativen Umgang mit Wissen und Informationsgütern in Industrieländern. Zu untersuchen wäre auch, inwiefern diese defensive Haltung und der privative Umgang mit Wissen und Informationsgütern global gesehen die Effizienz der Wissensproduktion negativ beeinflusst.
Gegebenenfalls sind aufgrund der Resultate geeignete Korrekturmassnahmen zu identifizieren und zu implementieren.
3. Sollte sich die Schweiz stärker im Rahmen des IFAP engagieren? Wenn ja: wer? Wie?
Zur Beantwortung dieser Frage wäre ein Überblick über alle internationalen und nationalen Programme in diesem Bereich notwendig. Grundsätzlich könnte ein erhöhtes Engagement interessant sein, wenn die verschiedenen "Stakeholder" an der Entscheidungsfindung mitwirken können.
Bakom, Deza, Archive und Bibliotheken, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft sowie Vertreter aus der Zivilgesellschaft und den Medien sollen sich im IFAP engagieren. Es müsste diskutiert werden, unter welchen Bedingungen auch das IGE (Institut für geistiges Eigentum) einen Beitrag zum IFAP leisten kann.
Die unter (1) genannten Fragen sind jedoch keineswegs nur eine Sache der Entwicklungshilfe. Sie betreffen auch die Schweizer Bevölkerung: Wenn der Zugang zu Wissen für alle Einwohner des Landes gewährleistet ist, kann die Schweiz hoffen, sich in der Informationswirtschaft günstig zu positionieren.
Deshalb sollte die Schweiz ihre Aktivitäten auch im Hinblick auf ihre eigenen Bürger verstärken.
4. Soll die Schweiz ein nationales IFAP-Komitee einsetzen? Wer müsste da dabei sein? Welche thematischen Schwerpunkte sollte dieses Komitee auf nationaler Ebene setzen?
Die Beteiligung der Schweiz wäre sicher zu begrüssen. Im nationalen Komitee sollten Vertreter der verschiedenen Stakeholders vertreten sein, und es sollte beim Bakom angesiedelt sein.
Von zentraler Bedeutung ist die Einbindung der Zivilgesellschaft in dieses Kommitee. Nur Initiativen von Bürgerseite können in diesem Rahmen tatsächlich die Bedürfnisse der Bürger vertreten.
Die Definition dieser Bedürfnisse darf keinesfalls jenen überlassen werden, die ein kommerzielles Interesse daran haben, Menschen als passive Konsumenten darzustellen, die in Wirklichkeit Nutzer und Mitschöpfer sind. Ansonsten wäre IFAPs Arbeit von Beginn an nutzlos.
Es sollte insbesondere darauf geachtet werden, dass im Kommitee zivilgesellschaftliche Gruppen vertreten sind, die über Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit ebenso verfügen wie über enge Kontakte in Entwicklungsländer. Nur auf diese Weise können die Bedürfnisse der Bürger dieser Länder mehr Gewicht erlangen als jene ihrer Regierungen.
5. In welche Richtung sollte sich das IFAP entwickeln, damit es einen möglichst effizienten und sinnvollen Beitrag zur Umsetzung der WSIS Resultate leisten kann?
Diese Frage kann im Moment noch nicht beantwortet werden.
6. Wenn sich das IFAP zu einem Policy Discussion Forum entwickeln sollte, welche Themen müssten dann prioritär behandelt werden?
Die in Punkt 1 genannten Themen.
7. Sollte die Schweiz eine verstärkte Teilnahme am IPDC prüfen?
Ja. Trotz der raschen Verbreitung digitaler Netzwerke sind in vielen Ländern Radio und Fernsehen noch immer die wichtigsten Massenmedien.
Nicht nur kann durch diese Medien Wissen mit großer Effizienz verbreitet werden. Wenn die Bürger sich an der Produktion von Inhalten beteiligen, ist auch gewährleistet, daß die Medien tatsächlich die Bedürfnisse ihrer Nutzer erfüllen.
Die Schweiz sollte es als eine wichtige Aufgabe begreifen, auf unabhängige, bürgerbasierte Medienlandschaften hinzuarbeiten - auch im eigenen Land.
Il faut encourager les medias traditionnels à défendre leurs propres valeurs et leur influence sociétale au lieu de baisser les bras devant la commercialisation de la communication et la concurrence des nouveaux médias.
8. Soll sich die Schweiz bei der Umsetzung der Action Line C9 (Medien) auf internationaler Ebene mitarbeiten? Insbesondere im Rahmen des IPDC?
Ja.
L'indépendance éditoriale et le sens de l'intérêt public ne sont pas contradictoires. La société civile doit encourager les médias à mieux assumer leur responsabilité sociale et à mieux prendre en compte les segments défavorisés de la société. Les gouvernements doivent apprendre à considérer les médias comme des partenaires autonomes de toute politique de développement social et économique. L'UNESCO est le cadre idéal d'un débat entre les entreprises de média, la société civile et les gouvernements sur ces thèmes.
9. Sind Sie interessiert, im Rahmen des IFAP oder des IPDC aktiv mitzuarbeiten?
Ja.
Dank ihrer speziellen Kompetenzen und Erfahrungen ihrer Mitgliedern in diesem Bereich, können die Digitale Allmend und comunica-ch Entscheidendes beitragen. Ihre Mitglieder kommen aus unterschiedliche Fachgebieten, wie Informatik, Sozialwissenschaften, Recht, Kunst, Kultur, Medien, Entwicklungshilfe, Sozialarbeit und Menschenrechtsgruppen.
10. Sind Sie interessiert, über die weiteren Aktivitäten des IFAP oder des IPDC informiert zu werden?
Ja.
11. Weitere Bemerkungen / Anregungen zum IFAP oder zum IPDC?
Wir wären an einem generellen Überblick über alle Programme, die das Thema betreffen, interessiert.